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Frau Bäsecke ist unsere Nachbarin. Sie ist sehr alt und hat es seit Jahren mit dem Herzen. Die Nachbarn tragen ihr die Einkaufstaschen hoch, bringen sie auch mal zu Terminen und helfen ihr bei täglichen Angelegenheiten. Das finde ich gut, denn so bleibt mir mehr Zeit fürs Fernsehen. Außerdem kann ich nicht so schwer heben, wegen dem Kreuz und so ...

Heute nacht ging es ihr sehr schlecht. Sie klingelte an unserer Wohnungstür und fragte, ob ich ihr helfen könne. Der Zustand schien mir so labil zu sein, dass ich einen Krankenwagen rief.

Schon bald klingelte es an der Tür und ich ließ über die Fernsprechanlage die Haustür öffnen. Die Sanitäter eilten herbei und kümmerten sich um Frau Bäsecke. Derweil schaute ich kurz aus dem Fenster und war sofort in Rage: Da parkte ein Krankenwagen quer über Gehweg und Fahrbahn. Was, wenn da jemand vorbei wollte? Voller Wut zückte ich mein Messer und stürmte nach unten. Mit voller Wucht zerstach ich alle Reifen des Krankenwagens. Selbst schuld, dachte ich! Wer sich nicht die Zeit nimmt, ordentlich einzuparken, der kann auch nicht mehr ausparken. Ein weiser und schlagfertiger Gedanke war das - einer von der Art, die man nur hat, wenn keiner zugegen ist, dem man diesen Gedanken mitteilen kann.

Mit dem Gefühl der Genugtuung kam ich wieder nach oben. Frau Bäsecke war inzwischen stabilisiert, aber der Sanitäter meinte, sie müsse unbedingt ins Krankenhaus, da der Verdacht auf einen Herzinfarkt bestünde. Sie wurde auf einer Liege nach unten getragen. "Was ist das denn?", schallte es plötzlich laut und wütend von unten. Zuerst begriff ich nicht, doch dann wurde mir klar, dass ich den Krankenwagen beschädigt hatte, den ich selbst gerufen habe. So ein Missgeschick, das kann man ja echt niemandem erzählen! Unschuldig rief ich nur "Naja, gute Nacht dann", knipste das Licht aus und beobachtete heimlich die Situation.

Frau Bäsecke war inzwischen vollkommen kollabiert und musste reanimiert werden, derweil eilte die Polizei und ein weiterer Krankenwagen herbei. Das Manövrieren des neuen Krankenwagens dauerte Ewigkeiten, weil der "stillgelegte" Krankenwagen ja nun nicht mehr bewegt werden konnte. Eine gefühlte Stunde nach dem Eintreffen des ersten Krankenwagens war Frau Bäsecke dann endlich abtransportiert. Der Wagen mit den zerstochenen Reifen wurde in der darauffolgenden Stunde abtransportiert.

Während dieser ganzen Zeit litt ich unter kaltem Angstschweiß, denn wenn irgendjemand mitbekommen hätte, was ich getan habe, hätte ich eine Menge Ärger bekommen.

Sie sehen: Das Einhalten der Verkehrsregeln ist immer, in jeder Situation und ohne Ausnahme wichtig!

J.B. Erlenkötter
Rübensahm
Auch mir sind diese Ignoranten ein steter Dorn im Auge. Meinen, sie könnten die löbliche StVO eigenmächtig außer Kraft setzen. Millionen Fußgänger mussten also leiden, weil Frau Bäsecke eine Herzattacke hatte. Gemeinwohl geht nun mal vor Einzelwohl.
  • 10. November 2014
  • ·
  • find ich knorke
Hundeversuchsanstalt Berlin
Da haben Sie beide Recht, ich finde es gut, wenn mal jemand handelt. Diese ganzen Verkehrsrowdies nerven.
  • 10. November 2014
  • ·
  • find ich knorke