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Redliches Netzwerk

Werte Damen und Herren,
geschätzte Mitpatienten,

Sie sehen mich fassungslos. Da versucht man doch, alles möglichst richtig zu machen und sich wie ein vorbildlicher Patient zu betragen, schon der eigenen Gesundung zu liebe. Doch wird es einem gedankt? Selbstverständlich nicht einmal im Ansatz!

Da wird man also dazu verdonnert, eine solche “Probe” einer ausgesprochen unerfreulichen Substanz abzugeben, natürlich unbedingt vom Tage, sozusagen frisch gepresst. Weiterhin soll diese bis spätestens Punkt elf abgeliefert werden. Da wird der Metabolismus einem prekären Termindruck unterzogen, dem er sich leider nur höchst widerwillig unterwirft.

Es stellt sich also fast zwingend die Frage: was tun, um nicht im entscheidenden Moment zu versagen? Sicherlich ist eine gezielte Selbstmedikation unabdingbar – serbische Bohnensuppe erschien mir hier nachgerade als DAS Mittel der Wahl – allerdings muss diese doch AUSGESPROCHEN präzise erfolgen, will man vermeiden, dass alle minutiöse Vorbereitung als paukender Walkürenritt schon vor dem eigentlichen „Festspieltermin“ in der erbärmlichen Akustik des heimischen Privés verpufft. Dem passionierten Wagnerianer wird die schiere Unwürdigkeit eines solchen Vorganges schon rein intuitiv einleuchten.



Doch damit der schier erdrückenden Erwartungshaltung noch immer nicht genug: auch die zu produzierende Menge ist einer strickten Reglementierung unterzogen. So soll diese ganz EXAKT ein winziges Löffelchen befüllen, dessen Fassungsvermögen in etwa einem halben Teelöffel entspricht. Gerade den hochbetagten Herrschaften unter der Leserschaft wird nur allzu schmerzlich bewusst sein, dass weitaus größere Mengen bisweilen schon ein jähes Aufhusten als unerwünschte Dreingabe auf ekelhafte Weise sekundieren. Und getroffen will ein solcher Löffel im Übrigen auch erst einmal sein, zumal selbst dergestaltige Zielübungen sich nicht einmal im Repertoire von einschlägigen Studentenverbindungen finden lassen. Somit ist selbst ein gestandener Akademiker heillos überfordert.

All diese Gedanken gingen mir durch den Kopf, als ich am letzten Donnerstag begann, die Vorbereitungen für eine termingerechte Abgabe am nächsten Tag zu treffen. Von der erwähnten Bohnensuppe standen fünf Dosen bereit. Ab sieben Uhr abends verzehrte ich halbstündlich eine halbe davon, dazu jeweils ein schönes Glas Sauerkrautsaft. Hernach jeweils eine halbe Tafel „Herrenschokolade“ zur Vermeidung einer frühzeitigen Evakuierung. Mir also mangelnde Planung vorzuwerfen erschiene mir somit als blanker Hohn. Aber ist es angesichts solch immenser Erwartungen nicht nur allzu menschlich, dass sich eine makellose Perfektion schlicht nicht erreichen lässt?

Jedenfalls wollte sich der sehnlichst erwartete Erfolg in den frühen Morgenstunden nicht einstellen, und mit jeder weiteren Stunde wuchs der Erfolgsdruck, bis er sich schließlich ins schier unerträgliche steigerte (vom inneren Druck ganz zu schweigen). So kam es, dass ich mich um viertel vor Elf bislang unverrichteter Dinge, aber durchaus noch guter Hoffnung in der Praxis einfand und bereits das Probenwägelchen des Laborhelfers am Empfangstresen vorfand. Bei diesen Anblick indes begannen meine Gedanken zu rasen: könnte ich mir ein Versagen im alles entscheidenden Moment jemals verzeihen? Was nur würde der Kaiser dazu sagen?

Der Gedanke daran, unseren geliebten Souverän derart bitterlich zu enttäuschen schien indes ungeahnte Kräfte, ja, nachgerade alles in mir freizusetzen. Plötzlich zählte jede Sekunde, für Floskeln und Erklärungen blieb keine Zeit. Hunderte Male hatte ich den nun folgenden Ablauf in der vergangenen Nacht im Kopfe durchexerziert. Und was soll ich sagen: alles klappte geradezu perfekt, von der vollendet eingesprungenen Halbhocke bis hin zur gleichzeitigen Ausrichtung des Löffelchens in der von mir im Vorfeld errechneten, idealen Entfernung. Ich konnte den Löffel auch wunderbar treffen. Nun, ich traf ihn unter anderem.

Am Ende der ganzen Chose steht nun also ein Lokalverbot im Enddarmzentrum. Immerhin: der Befund ist unbedenklich, Potztausend!
  und  finden das knorke.
Heinrich Hacker
Auch ich stund vor einiger Zeit vor selbigem Problem, jedoch löste ich es anders. Mit einer derart kleinen Probe ist doch nichts anzufangen, sagte ich mir, also befüllte ich ein Gurkenglas mit einer ausreichenden Probe meines Darminhalts. Das Gesindel in der Praxis wollte mein Pröblein erst annehmen...
  • 5. September 2015
  • ·
  • find ich knorke